Stundensatz berechnen für Freelancer 2026

Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du als Freelancer:in deinen Stundensatz berechnen kannst: mit Ziel, Steuern, Kosten, Auslastung und Puffer.

Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen Stundensatz berechnen kannst als Freelancer:in oder Selbstständige:r – mit Fokus auf Ziel, Kosten, Auslastung und Puffer.

Stundensatz berechnen für Freelancer: der einfache Überblick

Ein tragfähiger Stundensatz ergibt sich nicht aus Bauchgefühl, sondern aus klaren Annahmen. Du brauchst drei Bausteine: ein Ziel (Netto oder Umsatz), realistische Kosten und die Zeit, die tatsächlich fakturierbar ist.

Hinweis: Dieser Leitfaden ersetzt keine Steuerberatung. Er hilft dir, eine nachvollziehbare, realistische Kalkulation aufzubauen.

Schritt 1: Ziel definieren

Entscheide, ob du ein Nettojahresziel nach Steuern oder ein Umsatzziel ohne Umsatzsteuer ansetzt. Das beeinflusst, wie stark die Steuerbelastung deine Kalkulation erhöht.

Schritt 2: Steuern und Abgaben realistisch schätzen

Steuerbeispiele im Leitfaden basieren auf Datenstand März 2026; lokale und individuelle Abweichungen sind möglich.

Für Einzelunternehmen ist der Einkommensteuertarif (Grund-/Splittingtarif) die Basis – plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Wenn du gewerblich tätig bist, kommt Gewerbesteuer hinzu (mit Freibetrag und Anrechnung). Details findest du unter Einkommensteuer für Freelancer und Gewerbesteuer für Einzelunternehmen.

Zusätzlich mindern Sozialabgaben/Versicherungen dein Netto. Diese gehören nicht zu den Betriebsausgaben, sondern sind ein eigener Block. Eine kurze Einordnung liefert Sozialabgaben & Vorsorgeaufwand.

Wenn du zusätzlich angestellt bist, berücksichtigt der Rechner dein Angestellten-Brutto zusammen mit der Steuerklasse als vereinfachte Näherung. Hintergrund: Für die Jahressteuer werden die steuerlich relevanten Einkünfte in der Jahresbetrachtung zusammengeführt. Dadurch kann der zusätzliche Gewinn aus der Selbstständigkeit mit einem höheren Steuersatz belastet sein als ohne Angestelltenanteil.

Im Netto-Modus arbeitet der Rechner dafür mit einer Zusatzsteuer-Logik: Er schätzt die Steuerbelastung mit und ohne Selbstständigkeitsanteil und verwendet die Differenz als zusätzliche Steuerlast aus der Nebentätigkeit. Eine vertiefte Einordnung findest du im Einkommensteuer-Guide und im Abschnitt Steuerklasse im Rechner.

Umsatzsteuer & Kleinunternehmerregelung

Umsatzsteuer (USt, oft „MwSt“ genannt) betrifft die Rechnungsstellung, nicht deine Einkommensteuer. Bei Regelbesteuerung schlägst du USt auf deinen Netto‑Stundensatz auf und führst sie ans Finanzamt ab. Kleinunternehmer (§19 UStG) weisen keine USt aus – der Rechnungsbetrag entspricht dem Netto‑Preis. Seit dem 1. Januar 2025 gilt die Steuerbefreiung nur, wenn der maßgebliche Vorjahresumsatz 25.000 € nicht überschritten hat und der laufende Jahresumsatz 100.000 € nicht überschreitet. Die Details findest du im Umsatzsteuer‑Guide: USt vs. Einkommensteuer.

Wichtig: Wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, ist in der Regel für 5 Jahre gebunden. Überschreitest du im laufenden Jahr die 100.000-€-Grenze, endet die Steuerbefreiung ab dem Umsatz, mit dem die Grenze überschritten wird. Sinnvoll ist die Kleinunternehmerregelung oft bei Privatkund:innen und wenig Vorsteuer; weniger sinnvoll bei hohen Ausgaben oder vielen vorsteuerabzugsberechtigten Geschäftskund:innen.

Quelle (offiziell): UStG § 19 (Kleinunternehmerregelung).

Schritt 3: Betriebsausgaben für die Stundensatz-Kalkulation erfassen

Liste alle fixen und variablen Kosten für ein Jahr auf. Dazu gehören Software, Hardware, Versicherungen, Weiterbildung, Büro, Reisekosten und ggf. Steuerberatung. Eine strukturierte Übersicht findest du unter Kosten & Betriebsausgaben.

Schritt 4: Auslastung realistisch planen

Auslastung ist der Anteil deiner Arbeitszeit, den du tatsächlich abrechnen kannst. Akquise, Administration, Weiterbildung, Urlaub und Krankheit gehören nicht dazu.

Schritt-für-Schritt

  1. Arbeitswochen pro Jahr bestimmen (52 minus Urlaub).
  2. Arbeitstage pro Woche realistisch festlegen.
  3. Tagesstunden definieren, die du wirklich leisten kannst.
  4. Prozentualen Anteil fakturierbarer Zeit schätzen.

Beispielrechnung

Angenommen: 46 Arbeitswochen, 5 Tage/Woche, 6 Stunden/Tag, 60 % fakturierbar.

46 × 5 × 6 = 1.380 Stunden brutto. 60 % davon = 828 fakturierbare Stunden/Jahr.

Typische Zeitfresser

Schritt 5: Puffer einplanen

Ein Puffer schützt vor Leerlauf, Krankheit, Projektabbrüchen oder Zahlungszielen. Lieber etwas höher ansetzen und später gut abschneiden.

Schritt 6: Rücklagen & Liquidität

Freelancer-Einnahmen sind unregelmäßig. Rücklagen sichern dich gegen Flauten ab und verhindern, dass Steuern oder größere Ausgaben deine Liquidität gefährden.

Plane konservativ und halte Steuer-Rücklagen separat. Für die Einordnung von Steuern hilft der Guide Einkommensteuer für Freelancer.

Kurze Beispielrechnung (fiktiv)

Angenommen, du willst 50.000 € netto, hast 2.000 € Kosten, 10 % Puffer, 5 Wochen Urlaub und 60 % fakturierbare Zeit bei 6 Stunden pro Tag. Der Rechner berücksichtigt den Einkommensteuertarif (plus Soli/Kirchensteuer) und optional Gewerbesteuer – dadurch steigt der benötigte Umsatz und damit der Stundensatz, bis dein Nettoziel erreichbar ist.

Hinweis: Wenn du angestellt bist, kannst du im Rechner dein Angestellten-Brutto und die Steuerklasse ergänzen. Das Ziel bleibt weiterhin dein Wert aus der Selbstständigkeit; das Angestelltenverhältnis dient der realistischeren Schätzung der zusätzlichen Steuerlast.

Stundensatz-Kalkulation für Freelancer: Positionierung & Bandbreite

Der Stundensatz hängt nicht nur vom Beruf ab, sondern von Spezialisierung, Projektrisiko, Wertbeitrag und Marktposition.

Mini-Framework

Beispiel-Profile

Häufige Fehler

Abrechnungsmodell: Tagessatz vs. Stundensatz

Beide Modelle sind üblich, aber nicht immer gleich sinnvoll. Entscheidend ist, wie klar der Umfang definiert ist.

Wann passt welches Modell?

Umrechnung (kurz)

Tagessatz = Stundensatz × vereinbarte Tagesstunden (z. B. 90 € × 6 = 540 €).

Typische Fehler vermeiden

Redaktionsrichtlinien: Transparenz zu Quellen, Review & Updates.

Nächste Schritte

Nutze den Rechner, um mit deinen echten Zahlen zu spielen – und lies die Vertiefungen zu Tagessatz, Auslastung und Kosten.

Zum Stundensatzrechner

Autor

Patrick – Betreiber von whatshouldicharge.dev. Ich arbeite angestellt im Tech-Umfeld und bin nebenbei selbstständig. Den Rechner habe ich gebaut, um Freelancer:innen eine pragmatische Kalkulation zu ermöglichen.

Hinweis: Keine Steuer- oder Rechtsberatung. Zuletzt aktualisiert: 9. März 2026. Kontakt: Impressum. Autorprofil: Über mich. Redaktionsrichtlinien.